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 Westfälische Nachrichten                          16. November 2010          

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 Iron und Kurt Kösters sowie Tjarda Brüning aus Nordwalde rezitierten, das Gitarrenquartett Acordar sorgte für die 
 kongeniale musikalische Begleitung: Zusammen boten sie Kunstgenuss erster Güte.                   Fotos: (Axel Engels)

 

Lehrstunde der Rezitation

Saerbeck. Ein Abend mit Kurt und Iron Kösters ist immer eine Bereicherung für jeden Literaturfreund. Kurt Kösters schafft es jedes Mal,  seinen ganzen Erfahrungsschatz als Rezitator einzubringen und so einen ganz charmanten Zugang zu Lyrik und Prosa zu ermöglichen. Sein Sohn tritt da in seine Fußstapfen.

Für den die literarisch musikalische Reise durch die Jahreszeiten am Sonntag im Saerbecker Bürgerhaus hatten sie wiederum das Bielefelder Gitarrenquartett Acordar gewonnen.
Als charmanter Gastgeber konnte sich Kurt Kösters auch über das Mitwirken der 14-jährigen Tjarda Brüning aus Nordwalde freuen, der er in Anbetracht der verwandtschaftlichen Beziehungen die Rezitation seines erklärten Lieblingsgedichtes „Herr von Ribbeck auf Ribbeck“ von Theodor Fontane überließ. Sie löste diese Aufgabe bei ihrem zweiten Auftritt im Rahmen einer Kösters-Lesung mit Bravour, konnte dieses allbekannte Gedicht mit großer Lebendigkeit, Einfühlungsvermögen und ausgeprägten Sinn für die feinen humoristischen Anspielungen in einem mitreißenden Gewand präsentieren. Da hat sich wohl auch bei ihr das Lyrik-Begeisterungs-Gen der Familie Kösters durchgesetzt. Für den musikalischen Part der literarischen Reise durch die Jahreszeiten hatte das Gitarrenquartett eine Bearbeitung des „Brandenburgischen Konzertes Nr. 6 BWV 1051 B-Dur “ von Johann Sebastian Bach gewählt. Diese Transkription erklang mit einer wunderbaren dunklen Klangfarbe. Von seiner  kompositorischen Anlage eignet sich dieses Konzert bestens für solch eine Instrumentierung, so dass die fast 100 Besucher ein köstliches musikalisches Präsent mit mediterraner Färbung  genießen konnten. Auch die zwei Kompositionen des in Paris bei Nadja Boulanger ausgebildeten Astor Piazzolla waren mit feinem Gespür aus dessen großen Oeuvres gewählt worden.

Auch die zwei Kompositionen des in Paris bei Nadja Boulanger ausgebildeten Astor Piazzolla waren mit feinem Gespür aus dessen großen Oeuvres gewählt worden.Mit exzellenter Spielweise interpretierte das Gitarrenquartett Acordar den ersten und letzten Teil der „Four Seasons of Buenos Aires. Die als Tangos komponierten „Primavera Portena“, mit Untertitel „Frühling in Buenos Aires“ und „Invierno Porteno“, als Stimmungsbild des Winters, passten perfekt in das Konzept des Abends.

Mit großer Sensibilität hatten Kurt und Iron Kösters die literarischen Parts in diesen musikalischen Rahmen integriert. Mit dem Geheimrat L.W. von Goethe machte man sich auf einen „Osterspaziergang“, verweilte bei Friedrich Hebbels „Sommerbild“, ließ sich mit Rainer Maria Rilke den „Herbst“ verschönern und genoss den „Winterabend“ mit Georg Trakl. Die beiden Rezitatoren schufen bei jedem Gedicht eine ganz individuelle Atmosphäre, fesselten die Zuhörer mit ihrer eindrucksvollen Gestaltung. Ein Gedicht erzählen stellt ganz besondere Anforderungen, da gilt es vom ersten Wort an sofort in der jeweiligen Welt des Schriftstellers zu sein. An diesem herbstlichen Abend erfuhr man eine überaus unterhaltsame Lehrstunde der Rezitation, bei der man Ort und Zeit vergessen konnte. Da kann man sich dem begeisterten Publikum folgend bei allen Beteiligten nur für solch einen wunderbaren Abend bedanken.
 

VON AXEL ENGELS